Klimaforschungsprogramm CARIBIC:
Komplexe Mess-Sonde am Lufthansa-Airbus von HEGGEMANN aerospace
Frankfurt / Büren, 13. Dezember 2004. Während in Buenos Aires gerade die zehnte Welt-Klimakonferenz tagt, startete in Frankfurt ein ganz besonderer Lufthansa Langstrecken-Airbus A340-600 zum Erstflug, ausgestattet mit einer Messvorrichtung und einem Laborcontainer. Die Mess-Sonde für das internationale Klimaforschungsprojekt CARIBIC kommt von HEGGEMANN aerospace aus Büren in Ostwestfalen. Ziel der Atmosphärenforscher ist, besser als bisher zu erforschen, welche Gase und Stoffe in die klimatisch bedeutsame obere Erdatmosphäre gelangen und wie sich die Zusammensetzung der Luftschicht in zehn bis zwölf Kilometern Höhe verändert.
CARIBIC steht als Kürzel für die Nutzung von Zivilflugzeugen für die Beobachtung der Erdatmosphäre („Civil Aircraft for the Regular Investigation of the atmosphere Based on an Instrument Container”).
Das Projekt wurde vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig und weiteren europäischen Instituten und Unternehmen ins Leben gerufen und wird maßgeblich von der Deutschen Lufthansa unterstützt. Die Atmosphärenforscher wollen die chemischen und physikalischen Prozesse in der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre im Detail untersuchen um zukünftige Änderungen und Gefahren besser vorhersagen zu können. Die Wissenschaftler hoffen, sehr wertvolle Hinweise über die Entwicklung der Ozonlöcher und der Treibhauseffekte zu erhalten. Bis jetzt gibt es weltweit kaum Daten über die Zusammensetzung der für unser Klima so wichtigen Luftschicht.
Zivilflugzeuge auf Intercontinentalstrecken, die sich in genau dieser Luftschicht bewegen, quasi als Forschungsflugzeuge zu nutzen, ist eine sehr kostengünstige und umweltschonende Möglichkeit die Mess-Daten weltweit zu erhalten.
Unterhalb des Flugzeugbauchs des Airbus ist das rund 55 Zentimeter lange, 35 Zentimeter hohe und 15 Zentimeter breite, sehr komplexe und stabile Lufteinlasssystem mit mehreren Mess-Sonden montiert. Es sammelt die Probenluft ein und leitet sie über ein Rohrsystem zu den diversen Messgeräten in einem Luftfracht-Container, der im vorderen Laderaum des Airbus untergebracht ist. Hier werden die Proben genau analysiert. Der Lufteinlass, den die HEGGEMANN aerospace AG auf der Basis eines Entwurfs der Firma GCT aus Oberpfaffenhofen gefertigt hat, ist ein ausgeklügeltes, hochpräzises aerodynamisches System, das die Luft außerhalb der Grenzschicht des Flugzeuges ansaugt, um eine mögliche Kontamination durch die Flugzeughaut zu vermeiden. Es wiegt etwa fünf Kilogramm und besteht aus Luftfahrt-Aluminium, Teflon und Edelstahl. Design und Aerodynamik wurden von Dr. Markus Hermann vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig per CFD-Modelling berechnet. Es war nicht einfach, das Einlasssystem so auszulegen, dass es auch die schwierige Messung von Aerosolpartikeln – feste und flüssige Schwebeteilchen in der Luft - ermöglicht. Sie sind wichtig für die Klimaentwicklung und Wolkenbildungsprozesse.
Im Konstruktions- und Herstellungsprozess kam ein Puzzle von über 40 Bauteilen heraus, die zu dem Lufteinlass zusammengefügt werden mussten, einschließlich einer komplexen Elektronik und einer Heizung um Vereisung zu verhindern. Bei der Lufthansa Technik waren schließlich vier Mitarbeiter und vier Wissenschaftler rund zwei Wochen lang damit beschäftigt, den Lufteinlass in den Airbus einzubauen. „Diese Mess-Sonde ist wohl weltweit der komplizierteste Lufteinlass, der je geflogen worden ist“, meint Atmosphärenforscher Dr. Markus Hermann. „Den Lufteinlass in dieser Formvollendung und Oberflächengüte herzustellen, ist etwas Besonderes. Die Präzision hat alle begeistert“, berichtet Alexander Wandel, CARIBIC-Projektleiter bei HEGGEMANN aerospace. Die komplexe Formgebung und die schwierigen Konturen konnten unter anderem mit Hilfe moderner Fünfachs-CNC-Frästechnik bewältigt werden. Das Unternehmen, das direkt am Flughafen Paderborn-Lippstadt sitzt, hat mit diesem anspruchsvollen Einzelstück abermals seine hohe Umsetzungskompetenz bewiesen.
HEGGEMANN aerospace hatte auch das Fahrwerk für „Phoenix“, den Prototypen des zukünftigen wiederverwendbaren europäischen Raumgleiters Hopper entwickelt und gebaut. Phoenix war im Mai erfolgreich mit Rennwagen-Geschwindigkeit gelandet. Das ostwestfälische Unternehmen hat sich als Entwicklungspartner und Serienlieferant hochwertiger Komponenten für die Luft- und Raumfahrtindustrie, den Motorsport und nahezu alle großen Automobilhersteller einen guten Namen gemacht. Hohe Flexibilität und eine einzigartige Kombination aus Hightech und solidem Handwerk sichern einen anhaltenden Unternehmenserfolg.
Weitere Informationen bei:
HEGGEMANN aerospace AG
Wolf Ebel, Sales Aerospace
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Internet: www.heggemann.com
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